• 13.04.19: München - Fürstenried West
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Tourtagebuch: Hamburg / Taverna Cerritus + Berlin / Pipes and Whistles Festival

 

Aus Phyras Logbuch

Ringdingding. 4 Uhr 40. Mein Wecker klingelt. In diesen Momenten fällt mir einfach nur immer ein Satz ein „Scheisse, ich hasse meine Band“. Na gut, kaum sitz ich, zusammen mit Jürgen, in der alten Daxkarre nehm ich meine Morgenmuffel-Grummeligkeiten wieder zurück und Vorfreude auf das erste Tourwochenende 2015 stellt sich ein.

Es ist nämlich tatsächlich so: Man spielt in der Tourzeit fast jedes Wochenende, lebt in der ganzen Zeit in dieser komischen Zwischenwelt zwischen Asphalt, fremden Betten, Backstageräumen und Bühnenelementen und versucht trotzdem jedes Mal wieder in den freien Tagen seinen Alltag, Beruf, Studium und Soziales in der „bandfreien Welt“ zu regeln. Dass das so gut wie nicht gelingt sollte klar sein, denn das was man auf unseren Reisen immer so erlebt geistert immer noch lang im Kopf herum, man übt, man plant und ist eigentlich voll mit dem Kopf beim Chaos der Reise.

Und jetzt? Jetzt hatten wir diese komische Winterpause. Wenn plötzlich der Alltag wieder geregelt läuft. Und man denkt sich: Wann sind wir endlich wieder unterwegs? Es kribbelt unter den Fingern, die Reiselust, die man am Ende der Tourphase immer so verflucht, packt einen wieder und man wünscht sich nichts mehr sehnlicher, als dass der Piratenhaufen den Alltag wieder ordentlich durcheinander bringt. Der erste Tag – wenn es dann endlich wieder so weit ist – bringt deswegen immer eine besondere und intensivere Stimmung mit sich.

Also. Zurück in die klapprige Daxkarre. Angekommen am Proberaum wird erstmal kollektiv zum Bäcker gerannt und verzweifelt nach „dem größten und stärksten Kaffee den sie haben“ gefragt. Petz und Ratz halten sich jedoch mit verzweifelten Blicken an Teebechern fest, denn beiden wurden die letzten Tage von fiesen Kotzviren geplagt. (Ratz hatte sie als erstes. Wie es zur Übertragung kommen konnte bleibt eurer Fantasie überlassen. Hö.hö)

Und los geht die Reise. Ihr fragt euch bestimmt womit wir die Fahrtzeiten immer so rumbringen. Das lässt sich ganz kurz zusammenfassen: Die Jungs spielen Schafkopf. Oder essen. Oder trinken Bier. Oder alles zusammen. Die Mädls sind entweder fleißig, lesen, lernen oder hören Musik. Und: Schlafen. Viel schlafen. Nach dieser kurzen Nacht ist gerade das die Lieblingsbeschäftigung der Fahrt.
Mit einem kurzen Abstecher über Nürnberg, wo es an einem geheimen Treffpunkt zu einer Kofferübergabe zwischen einer Vertreterin der Band „Das Niveau“ und mir kam, ging es flott ab nach Hamburg.

Das Bambi Galore wurde bei unserer Ankunft gerade frisch befellt und behängt und nach und nach zur wohl bekannten Taverna Cerritus. Beim Soundcheck fehlte da allerdings noch etwas: Der Bass. Denn Zora konnte und wollte ihren Bassschülern nicht den Unterricht streichen und musste so um 16.30 Uhr noch in München ihren kleinen Nachwuchstieftonsklaven eine Lektion erteilen. Nervöse SMS ereilten uns „Ich bin immer noch nicht am Flughafen!“ „Die Bahn streikt, ich fahre jetzt Taxi“ „Das Flugzeug hat Verspätung“ „Bin immer noch nicht in der Luft!“. Kraken fuhr schließlich los um sie abzuholen und fuhr schier eine ganze Odyssee durch Hamburg, da man es sich dort wohl überlegt hatte, mal kurz alle Straßen zu sperren durch die er laut dem Kopf des Navigators fahren sollte. So blieb es also bis zum Ende spannend.

Das Catering war dieses Mal so außerordentlich lecker, dass wir uns Teller für Teller reinschaufelten und nebenbei über so spannende Themen wie dem Sexualparasitismus der Anglerfische und dem Trieb von Mäusen ihre eigenen Kinder aufzufressen unterhielten.
Zum Nachtisch gab es dann noch eine kleine Überraschung, denn unsere geherzte MPS-Nonne Sheen brachte uns Waffeln. Und Sahne. Und Schoko- und Vanillesauce. Geil. Danke nochmal!
Ratz übertrieb an dieser Stelle jedoch maßlos. Sein Magen hatte unbändigen Hunger, war aber jedoch wie es scheint noch gewaltig angeschlagen von den bösen Viren und er jammerte „ich glaub ich hab mich überfressen“. Man lachte und schüttelte den Kopf, ich bat ihm aus dem frisch angelegten Vroudenspil-Medikamentenkoffer sämtliche Antischlecht-Tabletten an, aber er winkte ab und meinte „geht schon, geht schon“. Spätestens auf der Bühne gings dann aber doch eher weniger.

Mitten im 2. Lied hatte der Gute plötzlich einen Texthänger. Und dann noch einen. Und noch einen. Texthänger? Ne, Moment. Das ist was anderes. Er musste aufstoßen und …naja, ihr könnt euch ja vorstellen was das war. Viele Texthänger später unterbrach er schließlich das Set, Kraken spielte ein Pausen-Drumsolo und Ratz umarmte in der Zwischenzeit die Backstage-Kloschüssel.
Und wir konnten das alles gar nicht glauben. Was für ein Chaos. Kurz danach stand er wieder auf der Bühne und konnte ohne jeden weiteren „Texthänger“ das Konzert zu Ende trällern. Danach fiel er kreidebleich und energielos in unseren Tourbus und verschlief die letzten Stunden der Taverna-Cerritus-Party. Arme, kleine Piratte.

Der Rest der Meute machte sich noch einen gemütlichen mit Morgan und Süßwasser-Sally von den Pulveraffen und den vielen, bekannten Gesichtern, die uns einen Besuch abstatteten (toll, euch alle wieder gesehen zu haben!!) und nach dem letzten Astra (oder wie Seewolf es nennt „Bierstamperl“) ging es dann Richtung Hotel.

 

——
3 Stunden später klingelte wieder der Wecker. Warte mal, ich bin doch eben grad ins… wie war das nochmal mit „Ich hasse meine Band?“.
Frühstück bekamen wir noch am Vortag vom Veranstalter mit und machten uns selbst in der Hostelküche unsere Toasties. Dax bekam gleich um 7 Uhr den Orden des „Depp des Morgens“, denn er schaffte es, 2 Toasts (von 2 anderen Personen) auf den Boden zu werfen. Natürlich mit der Marmeladenseite nach unten.
Da Ratz sich noch nicht an Marmeladentoast traute und Jürgen und ich ohne Kaffee nicht einsatzfähig sind hielten wir noch kurz an einer Bäckerei und deckten uns ein.
Ratz traute sich nicht an Marmeladentoast. Aber dafür an einen Eiersalat. EIERSALAT! Klingt ja an und für sich nicht schlecht, entwickelte sich jedoch als schwerer Fehler. Keine Ahnung, wie sein Körper das anstellte, aber unser ganzer Bus stank innerhalb kürzester Zeit wie die gelben Wolken über einem Schwefelbad. Die Konversationen auf der Fahrt nach Berlin beschränkten sich somit auf: „Bua, ALTER!“ „FENSTER AUUUUF!“ „Sag mal, war das ein Furz?“ „NEIN MAN! Der rülpst!!!!“ „Leute, ich muss kotzen! Wie widerlich ist denn das ey?“.

Vollkommen benebelt kamen wir schließlich in Berlin an und betraten die Passionskirche. Wow,  was für eine Location! Wer hätte gedacht, dass man uns mal in einer waschechten Kirche spielen lässt, in der auch normalerweise ganz regulär Gottesdienste abgehalten werden? Nach einer kurzen Einweisung „Ihr spielt also auf dem Altar. Da hinten ist ne Bibel, darauf bitte nix abstellen, die ist historisch!“ bauten wir auf, machten einen lustigen Echo-Hall-Soundcheck und fuhren schließlich ins Hotel um unsere müden Glieder noch für 2 Stunden hinzustrecken. Powernapping. Bitter nötig.

Zurück in der Sakristei (aka dem Backstageraum) wurden wir schon von aufgedrehten Elfen, schwarzgekleideten Fagottspielern, dreckigen Männern mit Spaten und einem gut gelaunten Sören Vogelsang („OH SÖREN! Was machst du denn hier. Nein, ist das schön!“) erwartet. Irgendwann kam stolz auch ein kleiner gehörnter Kobold aus der Umkleide. Gehörnt? Nene, das geht gar nicht. Traurig musste der arme Flammenrausch-Kobold seine Hörnchen wieder abnehmen. Wir seien hier ja schließlich in einer praktizierenden Kirche, da kann man nicht mit Teufelshörnchen auftreten. Das stehe so im Regelwerk.

Zora und ich machten uns nochmal kurz auf den Weg um im Umkreis nach einem Späti mit Club Mate im Sortiment zu suchen, da es für mich schwer vorstellbar war, wie ich sonst diesen Abend überstehen sollte. Schließlich ging es ab auf die „Bühne“. Auch wenn die Leute natürlich saßen (denn das macht man ja so in der Kirche) war es eine grandiose Stimmung, man tanzte, gröhlte und schunkelte mit (ich hab euch schon gesehen, da oben auf der Empore!).
Dann gab es noch einen Allstars-of-this-Night-Song, der allerdings recht verplant vonstatten ging, da man sich vorher zwar auf einen Song, jedoch weder auf Tonart, Arrangement oder sonstiges geeinigt hatte.
Fazit des Abends: Ganz wunderbar, Berlin. Wir kommen sehr, sehr gern wieder!

Da unsere Übernächtigkeit allmählich vollkommen die Kontrolle über alle Gehirnwindungen übernahm kam es auf der Rückfahrt zum Hotel zu einem Lacher nach dem nächsten, Sätze wie „Ich bin so froh, nicht als Unterhose geboren worden zu sein“ oder „Ich glaub der war nicht homo oder hetero oder bi, der war tri! – Das ist wie bei Toiletten. Da gibts eine für Männlein und für Weiblein. Und dann gibts da privat“ flogen nur so durch die Luft und man kam aus dem Kichern gar nicht mehr raus.
Und das sind wieder diese Momente in denen ich mir denke „Scheisse, ich liebe meine Band!“

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